Start-up Lupe: Mimimi Productions über The Last Tinker und Start-up Förderung in Deutschland

04.07.2014
Mimimi Productions: Start-up mit viel Liebe und guter Förderung

Mimimi Productions: Start-up mit viel Liebe und guter Förderung

Wir wollen mal wieder einen Blick auf ein Start-up aus der deutschen Gamesbranche werfen und haben uns Mimimi Productions aus München rausgepickt. Das junge, ambitionierte Studio hat zuletzt „The Last Tinker: City of Colors“ veröffentlicht. Ein Spiel, dass an 3D-Jump’n’Run-Klassiker der N64-Ära erinnert und bei Spielern und Kritikern gleichermaßen gut ankommt.
Nach einer für Mimimi Productions stressigen, aber erfolgreichen E3 haben wir uns mit Moritz Wagner unterhalten. Der Game Designer des bayrischen Indie Studios gab uns Einblicke in dessen Entstehung, die Finanzierung von The Last Tinker und verriet, dass er deutsche Gaming-Start-ups derzeit groß im Kommen sieht. Mehr im Interview:

Wann und warum habt ihr den Entschluss gefasst, euch selbstständig zu machen?

Moritz Wagner: Anfangs waren wir da sehr skeptisch und eher vorsichtig. Sich mit einem so ambitionierten Projekt wie „The Last Tinker: City of Colors“ selbstständig zu machen hielten wir für extrem riskant. Johannes und Dominik, die Gründer von Mimimi Productions, haben in dieser Zeit viel mit anderen etablierten deutschen Entwicklern geredet und deren Rat war klar: Macht es, das Spiel ist es wert und hat das Potential. Mit der Prototypen-Förderung des FFF Bayern und einer Auftragsarbeit im Rücken war es dann auch möglich diesen Schritt zu gehen.

Kannst du uns Mimimi Productions und euer großes Spielprojekt The Last Tinker kurz vorstellen?

MW: Mimimi Productions besteht im Moment aus 11 Leuten. Das Kernteam aus 9 Festangestellten kommt von der gleichen Uni, wir kennen uns also sehr gut und es herrscht eine super Atmosphäre im Team. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, hochqualitative und eingängige Spiele zu machen. Selbst bei eventuellen Auftragsarbeiten nehmen wir nur Projekte an die uns zusagen und behalten so immer den Spaß an der Sache.

„The Last Tinker: City of Colors“ ist sozusagen unser „Baby“, wir haben mit dem Konzept schon während des Studiums angefangen und über einen langen Zeitraum mal mehr, mal weniger aktiv daran gearbeitet. Wir haben viel mit dem Spiel durchgemacht und am 12. Mai 2014 wurde es endlich veröffentlicht. Es ist ein 3D Action Adventure das versucht den Charme der großen 3D Platformer wie „Banjo Kazooie“ und „Jak and Daxter“ mit neumodischem Gameplay zu verbinden. Den bisherigen Reviews nach zu urteilen hat das auch sehr gut geklappt :).

Mit viel Lob der Fachpresse erschien kürlich The Last Tinker: City of Colors

Mit viel Lob der Fachpresse erschien kürzlich The Last Tinker: City of Colors

Wie lange habt ihr an The Last Tinker gearbeitet und wie habt ihr das Spiel finanziert?

MW: Wie gesagt haben wir mit dem Grundkonzept schon im Februar 2011 in unserem Gamedesgin Studium angefangen. Zu der Zeit war es noch Teil einer Projektphase und das Ergebnis war der erste „The Last Tinker“ Prototyp. Den haben wir dann weiterentwickelt und vorgezeigt wo wir konnten. Durch eine Prototypen-Förderung des FFF-Bayern über 80.000 Euro konnten wir dann einen deutlich stärkeren Prototypen entwickeln, mit dem es uns letztendlich gelungen ist einen Publishing Vertrag mit Unity Games abzuschließen. Die wirkliche Produktion des Spiels hat dann ungefähr ein Jahr gedauert und wurde von Unity Games finanziert.

Wer ist die Zielgruppe von The Last Tinker und was erwartet die Spieler?

MW: Auch wenn es auf den ersten Blick aussehen mag wie ein Kinderspiel ist „The Last Tinker: City of Colors“ ein Titel, den jeder genießen kann. Ältere Spieler, die die bereits erwähnten Platforming Legenden gespielt haben und das Gefühl solcher Welten vermissen, werden sich sofort wie zuhause fühlen. Gleichzeitig funktioniert das Spiel aber auch super bei einem jüngeren Publikum, das die alten Klassiker vielleicht nicht mehr kennt.

Den Spieler erwartet eine bunte, extrem charmante Spielwelt voller lustiger und verrückter Charaktere. Die Story bleibt zwar stets locker, behandelt dabei aber auch ernstere Themen wie Rassismus und Toleranz.

Auf welchen Konsolen soll The Last Tinker nach der PC-Version erscheinen und wie stemmt ihr die Portierung?

MW: „The Last Tinker: City of Colors“ soll noch dieses Jahr auf der Playstation 4 erscheinen. Die Portierung übernimmt dabei Sony DADC, wir überblicken das ganze und helfen natürlich immer mal wieder aus wenn Fragen aufkommen.

Welche Rolle spielt euer Standort Bayern für euch?

MW: Ohne Bayern gäbe es uns heute nicht. Die Prototypen-Förderung hat „The Last Tinker: City of Colors“ überhaupt erst möglich gemacht. Außerdem konnten wir inzwischen schon zwei weitere Male eine Förderung sichern. Für eine kleine Firma ohne Investor im Hintergrund ist das eine sehr gute Sache. Wir können die Rechte an all unseren Marken und Spielen behalten und so Prototypen entwickeln, mit denen wir dann weiter arbeiten können.

Erinnert an 3D Jump'n'run Klassiker: The Last Tinker

Erinnert an 3D Jump’n’run Klassiker: The Last Tinker: City of Colors

Kürzlich habt ihr 60.000 Euro Förderung durch den FFF Bayern für die Entwicklung eines Prototypen eures Spiels „da Windci“ für die Xbox One und Wii U erhalten. Was waren eure Gründe für die Wahl der Xbox One und Wii U als Plattformen?

MW: daWindci ist ein Spiel das sich durch seine exzellente und innovative Steuerung auszeichnet. Sowohl die Xbox One, als auch die Wii U bieten die Möglichkeit diesen Aspekt weiter auszubauen. Während wir uns bei der Wii U Version durch das vorhandene Touchpad stark an der bisherigen daWindci-Erfahrung orientieren können ist eine Kinect Version ein sehr spannendes Thema. Wir wollten schon lange etwas für Kinect entwickeln und daWindci bietet sich da natürlich super an.

Bitte ergänzt die folgenden Satzanfänge:

Deutsche Spieleentwickler/ Spielestudios sind…

MW: …auf dem internationalen Vormarsch.

Die Förderung von Computer- und Videospielen in Deutschland…

MW: …ist noch ausbaufähig.

Jeder sollte The Last Tinker gespielt haben, weil…  

MW: …es eine einzigartige, charmante Erfahrung ist und es auch mal wieder eins der selten gewordenen „richtigen“ Spiele aus Deutschland ist.

Zum jetzigen Zeitpunkt: Was würde euch als Start-up am meisten helfen?

MW: Ein besseres Budgetniveau in Deutschland und Subventionen für die Branche, wie schon in vielen anderen Ländern vorgemacht.

Einst Kommilitonen, jetzt Kollegen: Das Team von Mimimi Productions

Einst Kommilitonen, jetzt Kollegen: Das Team von Mimimi Productions

Welche Tipps könnt ihr jenen geben, die sich ebenfalls mit einer Spielefirma selbstständig machen möchten?

MW: Das wichtigste ist ein Team aus Leuten, die sich verstehen und effizient zusammen arbeiten können. Außerdem: Geht auf alle Events, sprecht mit Leuten, werdet Teil der Entwicklerszene in Deutschland. Das ist sehr wichtig und hilfreich, um dann Aufträge zu bekommen und an eigenen Projekten arbeiten zu können. Schließt schon vorher Projekte ab, damit ihr einen Track Record habt. Die wenigstens Teams bringen ihre ersten Spiele bis zu einer runden, pitchbaren Version.

Wo seht ihr euer Studio in einem Jahr?

MW: Hoffentlich mitten in der Produktion zu einem weiteren großen Titel ohne finanzielle Sorgen und mit einer gesicherten Zukunft – bei gesteigerter Lebensqualität *lacht*.

 

Wir bedanken uns bei Moritz für das Interview und wünschen Mimimi Productions auch für die Zukunft nur das Beste.

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