Köpfe der Spielebranche: Interview mit Carsten Fichtelmann – CEO Daedalic Entertainment

26.04.2018
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Carsten Fichtelmann, CEO der Deadalic Entertainment GmbH in Hamburg

Heute stellen wir euch abermals einen „Kopf der Spielebranche“ vor: Carsten Fichtelmann ist seit Anfang der 2000er fester Teil der Deutschen Games-Branche.Vor 11 Jahren gründete der 48- jährige Daedalic Entertainment, ein erfolgreicher Developer und Publisher in Hamburg, mit zahlreichen begehrten Titeln. Jüngst wurde das Studio mit seinem Weltraum-Erkundungsspiel „The Long Journey Home“ erneut beim Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnet. Diesmal in der mit 40.000 Euro dotierten Kategorie „Beste Inszenierung“.  Im Interview geht es nicht nur um aktuelle und zukünftige Projekte, sondern unter anderem auch darum wie ein typischer Arbeitstag Carstens aussieht, oder welche Games er gerade gerne spielt.

Games-Career: Carsten, nach einem BWL Studium warst Du einige Jahre als Journalist und in der Werbung tätig, bevor Du bei dtp entertainment erst als PR- und Marketing-Direktor und später zusätzlich als Leiter des Produktmanagements gearbeitet hast.

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„The Long Journey Home“: Prämiert beim DCP2018

Was gab für Dich den Ausschlag, Dich selbstständig zu machen und eigene Spiele zu produzieren?

Carsten Fichtelmann: Der Ausschlag war wohl, dass ich nicht der Chef war aber gern sein wollte, also blieb mir nichts anderes übrig als selbst ein Unternehmen zu gründen. Das war dann auch eine gute Idee.

Games-Career: Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Dich aus?

Carsten Fichtelmann: Ich habe im Normalfall keine sehr starre Agenda, es gibt jede Woche einige feste Termine. Ich stehe nicht so auf feste Pläne, ich löse gerne jedes Problem sofort und bin daher fast immer für alle Mitarbeiter ansprechbar. Später am Tage komme ich dann zu meinen exklusiven Themen. Diese Art hat Vor- und Nachteile.

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Erfolgreiches Meisterwerk: „The Pillars Of The Earth“

Games-Career: Über 11 Jahre sind seit der Gründung von Daedalic Entertainment vergangen, in denen Ihr Titel wie „Edna bricht aus“, „The Whispered World“, „A New Beginning“, „Harveys neue Augen“, „Das Schwarze Auge“, „Deponia“, „The Night of the Rabbit“ und eure erfolgreiche Meisterwerke „The Pillars of the Earth“ und „The Long Journey Home“ entwickelt habt. Fast ausschließlich Adventures. Was macht den Reiz dieses Genres für Dich aus?

Carsten Fichtelmann: Blackguards, The Long Journey Home, aktuell ein RTS intern und Co-Produktionen wie Shadow Tactics oder Valhalla Hills – wir haben schon auch sehr viele Spiele außerhalb des klassischen Adventures entwickelt. Aber das Geschichtenerzählen stand immer im Kern unseres Schaffens und das wird sich auch in Zukunft nicht groß ändern. Der Markt hat sich stark verändert und wir passen uns etwas an.

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Gespannt erwartet: „State Of Mind“

Games-Career: Für 2018 wird euer nächster Titel „State of Mind“ erwartet, ein futuristischer Thriller, den Ihr bereits für das letzte Jahr angekündigt hattet. Wann können wir „State of Mind“ spielen und wodurch wurde die Veröffentlichung verzögert?

Carsten Fichtelmann: Im August wird State of Mind auf vier Plattformen (PC/MAC, PS4, Xbox und Switch) erscheinen. Es war uns wichtig, dass alle Plattformen gleichzeitig erscheinen und am Ende einer Produktion muss man immer entscheiden, wie lange man noch an einem Spiel polishen will. Und in dieser Hinsicht haben wir eine Legacy zu verteidigen, also muss die Qualität so sein sein wie bei allen unseren Spielen in der Vergangenheit.  

Games-Career: Bei „State of Mind“ handelt es sich um einen dystopischen Thriller, der das Drama einer Gesellschaft auf dem Weg zur postmateriellen Existenz erkundet. Hauptthema ist hierbei der Transhumanismus. Magst Du uns kurz erklären, was es damit auf sich hat?

Carsten Fichtelmann: Es geht unter anderem um die Frage, ob man ewig leben kann. Denn wenn alles, was ich jemals erlebt habe und an Wissen angesammelt habe, auf eine Festplatte geladen werden kann und diese Festplatte aufgrund der Erfahrungen desjenigen, der seine Erinnerungen hochgeladen hat auch Entscheidungen treffen und denken kann, dann ist es wie eine Fortsetzung des irdischen Lebens. Und was passiert mit der Seele? Wer nicht an die Seele glaubt, der wird dann eventuell auch leichter annehmen, dass ein synthetisches Lebewesen (Android z.B.) einfach mit den gesamten Erinnerungen weiterlebt und sich über den Lauf der nächsten Jahrzehnte immer mehr anfühlt wie der ehemalige Mensch. Und in den nächsten 30-50 Jahren (also einem relativ knappen Zeitfenster) wird es hier bahnbrechende Entwicklungen geben. Und ein heute 30-jähriger wird das wohl noch alles erleben.

Games-Career:Games-Career: Was können wir 2018 außer „State of Mind“ von Daedalic erwarten?

Carsten Fichtelmann: Wir bringen viele unserer großen Klassiker auf den Konsolen zurück. Zwei weitere Deponia-Teile kommen auf PS4 und xbox, ebenso Harveys Neue Augen und The Long Journey Home. Zusammen mit Barrel Roll Games entwickeln wir Witch it weiter und bringen es eventuell schon Ende des Jahres auf Konsole raus. Und intern arbeiten wir an neuen Spielen, die aber erst ab 2019 herauskommen werden.

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Bei Daedalic wird man vom Namensgeber Daedalus begrüßt

Games-Career: Der Name Daedalic kommt aus der griechischen Mythologie und leitet sich von dem Erfinder, Techniker, Baumeister und Künstler Daedalus ab. Fasziniert Dich die griechische Mythologie, und welcher Held oder gar Gott wärest Du gern mal?

Carsten Fichtelmann: Das fasziniert mich schon, aber ich richte nicht mein Leben danach aus. Für die Company war es aber eine gute Montivationswurzel. Und wenn man bei Daedalic die Büroräume betritt, wird man auch von Daedalus seit kurzem begrüßt. 

Games-Career: Spielst Du auch privat Adventures? Und wenn ja, kannst Du dabei abschalten oder leitet Dich stets dein professioneller Blickwinkel?

Carsten Fichtelmann: Ehrlich gesagt, spiele ich privat größtenteils andere Spiele. Viel PS4 und auch mobile Geräte. Früher habe ich viel mehr Adventures gespielt, da war es auch noch mein Lieblingsgenre. Unsere eigenen Spiele kenne ich ja aus der Produktion. Da weiß man eben dann schon sehr viel, wenn man anfangen würde zu spielen. Aber ich schaue mir natürlich Produkte anderer Marktteilnehmer regelmäßig an. Das gehört einfach dazu. Wie sollte man sich sonst selbst positionieren?

Games-Career: Welches Game anderer Anbieter hast Du zuletzt gespielt und warum?

Carsten Fichtelmann: MonsterHunter World, Destiny 2, Prey, Fortnite alle auf PS4. They are billions auf PC und auf Mobile Spaceplan, Alto Odyssey und Idle Miner. In jedem Fall hatte ich einfach Lust auf die Spiele und bin dann drangeblieben. Es waren im letzten halben Jahr natürlich viel viel mehr Spiele. Aber in den genannten Spielen habe ich jeweils mehr oder viel mehr als zehn Stunden investiert.

Games-Career: Last words?

Carsten Fichtelmann: Wer sich für eine Karriere in der Gamesbranche entscheidet, sollte auf die richtigen Leute hören. Wer wirklich als Ratgeber geeignet ist, das ist das eigentliche Problem. Also muss man auch auf sein eigenes Herz hören und seiner Überzeugung folgen. Nicht jeder Weg ist der Richtige, aber nur Wege die man auch mal länger geht, bringen einem Erfahrungen, aus denen man wirklich etwas lernen kann. Vor allem muss man dranbleiben. Mal eben 2-3 Jahre was mit Games machen ist zu wenig. Seine berufliche Karriere auf Computer- und Videospiele zu stützen, sollte sich aus der festen Überzeugung ableiten, dass es das Richtige für mich ist.

Lieber Carsten, herzlichen Dank für das Interview und nachträglich herzliche Glückwünsche zu eurer Auszeichnung beim Deutschen Computerspielpreis! Weiter so – wir sind sehr gespannt auf „State of Mind“!

 

About the author

Anietta
Anietta
Eine besessene Gamerin war Anietta zwar nie - doch die fesselnde Intensität von Videospielen kann sie dennoch nachvollziehen... Ihre Games-Erfahrungen beschränken sich in etwa auf folgende: Leidenschaftliches "Boulder Dash"- und "Oh Mummy"-Spielen auf dem Schneider Computer ihres kleinen Bruders in ihrer Kindheit, leidenschaftliches "Brickles"-Spielen auf einem eher frühen Modell des Apple Macintosh ihres Onkels, leidenschaftliches "Tetris-Spielen" auf dem Gameboy ihres kleinen Bruders, leidenschaftliches "Point and Click Adventure"-Spielen auf eigenem PC und leidenschaftliches Scrabblen, Quizduellieren und Flightcontrollen auf dem eigenen iPhone. In ihrem Privatleben geht es bei Anietta momentan leider eher darum die Spielbesessenheit ihrer drei Jungs Nick (11), Cosmo (5) und Oskar (12) zu begrenzen, denn zumindest die Großen scheinen schon fast in den Welten von "Minecraft", "Clash of Clans" und "Hearthstone" zu leben - wenn man nur von den Esstischgesprächen ausgeht. Alle drei liiiiiiiiieben Games und finden es extrem cool, dass Anietta neben ihrer Tätigkeit bei Games-Career.com schon seit einigen Jahren als Teamassistentin und gute Seele in der PR-Agentur für die Games-Branche - Quinke Networks fungiert und somit nah am Geschehen ist.

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